Chinesische Tuschemalerei

Lotos

Eine Zauberin in den Wellen, still und duftend.
Liebevoll öffnet sie sich im Morgentau
kühl verschließt sie sich bei Sonnenuntergang.
Verwurzelt im Schlamm, doch von makeloser Schönheit,
süß duftend im Wind über den Blättern.

Fan Cheng Dai



Lotus (Lian) gilt in Asien als göttliche Pflanze. Sie symbolisiert in den östlichen Religionen die Wiedergeburt, Fruchtbarkeit und bedingungslose Liebe. Treue, Reinheit, Weisheit und Erleuchtung (geöffneter Kelch) finden in der weißen Blüte ihre Entsprechung. Liebe, Fruchtbarkeit und Wiedergeburt wird mit der roten Blüte dargestellt. Außerdem ist sie ein Symbol für den Lauf der Gezeiten. Die Lotusknospe wird dem Frühling, die pralle Blüte dem Sommer, die vergehende Blüte dem Herbst und die Samenkapsel dem Winter zugeordnet. Auch steht die Lotus in der Knospe für die Zukunft, in der Blüte für die Gegenwart und die welkende Blüte für die Vergangenheit. So ist sie ein Symbol des ewigen Kreislaufes der Natur und ein Geschenk der Götter. In China sagt man: „Sei dem Lotus gleich, auch wenn du im Schlamm deine Wurzeln hast, lass den Schmutz an dir abperlen und strebe immer wie die Blüte zum Licht. Zeige wie sie die Schönheit und Liebe deines Wesens.“




„Willst Du einen Bambus malen, so musst Du zum Bambus werden.“ Chinesisches Sprichwort.
Bambus (Zhu) ist ein Symbol des Frühlings. In der traditionellen chinesischen Tuschemalerei wird er zu den „Vier Edlen“: Bambus, Orchidee, Chrysantheme und Essigpflaume, die neben der Lotus auch den Jahreszyklus darstellen, gezählt. Seine Besonderheiten, der grade Wuchs, die Elastizität und seine hohlen Kammern gelten als Sinnbild des menschlichen Charakters. Beständig in seiner Haltung, soll der Mensch gerade und aufrecht seinen Weg gehen. Die leeren Kammern des Bambus stehen in der chinesischen Philosophie für die angestrebte Leere, aus der alles Neue entstehen kann. Dem alten Meister Lao Zi wird der Satz zugeschrieben: „Nur in der Leere befindet sich das Wahre, das die Form hervorbringt“. So soll der Bambus ein Beispiel für die ständige Übung in der Meditation sein. Die Gedanken ziehen lassen, das Herz reinigen und in der Leere verweilen.



Bambus wird, wie auch andere Darstellungen in der Tuschemalerei, geschrieben. Die Darstellungen haben eine klare Abfolge an Linien und Flächen, die man, wie bei der Kalligraphie, einüben muss. In der intuitiven Malerei werden sie in schnellem Tempo geschrieben, um den Gedanken keinen Raum zu lassen. Denken wir erst nach, wo eine Linie hingehört, wird die Darstellung starr und „gewollt“! Es geht in der freien, intuitiven Tuschemalerei (Xie-Yi-Stil) nicht um Perfektion, sondern um Lebendigkeit, und je länger man eine Darstellung, Bambus, Lotus, etc. einübt, desto freier gelingt das Bild.




Als der Dichter, Maler und Musiker Su Shi, besser bekannt unter dem Namen Su Dong Po (8.1.1037 – 24. 8.1101) gefragt wurde, warum er einen roten Bambus malt, antwortete er:





„Es ist nicht wichtig mit welcher Farbe Du malst, sondern ob Du sein Wesen verstanden hast.“
Er hatte keine schwarze Tusche mehr in seinem Gefäß und so malte er, ohne sich von Äußerlichkeiten abzulenken, mit roter Korrekturfarbe weiter.
Zhu (Bambus)


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